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Die 4 Wunder der Produktentwicklung

Man könnte fast glauben das System von Windows vervielfältigt sich inzwischen auch auf andere Branchen - man wirft etwas unfertiges auf den Markt und läßt den Kunden dann endlose Updates installieren, bis das Produkt Serienreife erreicht.

Allerdings ist es meiner Meinung nach ein großer Unterschied, ob man eine Software für ein paar hundert Euro auf den Markt wirft, oder ein Luxusgut. Ich rede mal wieder von einem Projekt, das letztlich weit über 100.000 Euro kosten wird, sagen wir mal so ein super teures Luxuswohnmobil in Reisebusgröße, für das man schon einen LKW-Führerschein braucht, um es bewegen zu dürfen. Ihr könnt euch ausmalen wovon ich rede.

So etwas  wurde neulich bei Justa Company entwickelt und hergestellt. Noch vor ein paar Monaten kam von der GL eine bahnbrechende neue Idee: Man entwickelt so ein neues Wohnmobil zuende, bevor es in die Serienproduktion geht. Also nicht direkt nach dem ersten ohne jegliche Industrialisierung die Serie starten, sondern erst alle Fehler abstellen - wow. Wie oft haben wir seit diesem Statement diese Philosophie umgesetzt? Ja, genau - ....

Direkt nach dieser Aussage wurden die Projektpläne angepaßt, und o Wunder, plötzlich brauchen alle Projekte mehr Zeit. Man kommt  also auf eine neue Idee - man muß die Prozesse optimieren, die Durchlaufzeit im Prototypenbau verkürzen, die Mitarbeiter effektiver einsetzen, die Planung verbessern und, ganz wichtig - das Ende des Projekts neu definieren: Projektende ist ist nicht mehr ein auslieferfertiges Wohnmobil, fertig entwickelt und industrialisiert, die neue Definition sagt, das Wohnmobil ist fertig, wenn es technisch fertig ist - also alle vier Räder sind dran und es kann rollen. Ja, rollen, nicht fahren. Wenn das Wohnmobil nach der neuen Definition fertig ist, verläßt es auf einem Trailer die Montagehalle, kein System ist geprüft, der Innenausbau nicht fertig, der Motor noch nicht funktionsfähig.

Das Wohnmobil wird also im "fertigen" Zustand aufgeladen und zur 20km entfernten Teststrecke gebracht. Dann, und da kommt das zweite Wunder, packt man alles Werkzeug, die dazugehörigen Arbeiter aus der Montagehalle und das restliche Material in Autos und fährt diese auch zur Teststrecke, um das fertige Wohnmobil fertig zu machen. Es wird weiter an dem fertigen Wohnmobil gearbeitet, ein PKW pendelt mehrmals zwischen der Teststrecke und der 20km entfernten Montagehalle, um fehlendes Material und Werkzeug zu holen. Nach den Systemchecks geht das inzwischen noch fertigere Wohnmobil auf die Teststrecke, um ein paar Runden zu drehen. Dabei geht der Motor kaputt und muß mit viel Aufwand getauscht werden.

Allerdings ist auch die Zeit im Testzenrtum extrem knapp bemessen, denn das Wohnmobil muß zu einer Präsentation und weiteren Tests zu einer noch größeren Teststrecke ins Ausland. Daher ist es nicht möglich die Arbeiten am inzwischen noch fertigeren Wohnmobil komplett abzuschließen.

Hier kommt jetzt das dritte Wunder: Ein Team von mehreren Monteuren fliegt dem Wohnmobil hinterher ins Ausland, um dort die Arbeiten abzuschließen. Soweit, so gut. Bei den Tests im Ausland werden dann von der Qualitätskontrolle, die aufgrund der Verkürzung der Durchlaufzeiten (Grund siehe oben) überfahren wurde, extrem viele Mängel entdeckt. Würde man die Mängel analysieren und mit bisher während der Produktion abgestellten Mängeln vergleichen, könnte man evtl feststellen, dass einige dieser Mängel früher, bevor die Produktentwicklung optimiert wurde, schon gefunden und abgestellt wurden.

Daher kommen wir nun zum vierten Wunder: Das Wohnmobil wird wieder zurück in die Montagehalle transportiert, um dort alle entdeckten Mängel abzustellen (wer hätte das gedacht?!) - weil - in der Montagehalle stehen alle Werkzeuge und alles Material zur Verfügung, und die Mitarbeiter haben kurze Wege (ach ne?!)

 

 

 

11.5.16 22:41, kommentieren

Innovative Entwicklung

Im letzten Artikel haben wir von einem teuren Lusxuswohnmobil und einer bahnbrechenden Philosophie gehört. Justa Company wäre kein innovatives Unternehmen, wenn es daraus nicht mehr machen würde. Ein zweites  Projekt zum Beispiel, das zeitgleich mit dem ersten entwickelt wird. Also noch ein Wohnmobil, etwas anderes Aussehen, etwas andere Einsatzmöglichkeiten, aber auch ein Wohnmobil.

Letztlich wird der Prototyp dieses Wohnmobils das gleiche Schicksal erleiden, bzw dieselben Prozesse durchlaufen, wie das aus dem letzten Artikel - also auch nach dem 4-Wunder-Prozess gebaut werden. Allerdings gibt es einen signifikanten Unterschied: Wir bauen dieses Wohnmobil nicht nur einmal, wir bauen es gleich mehrmals. Also während in der Entwicklung die ersten drei gebaut, industriealisiert, optimiert, dokumentiert werden, man Erfahrung für die Serienproduktion sammelt und die Arbeiter der Produktion ab dem dritten Modell in die neuen Prozesse einlernt - werden zeitgleich von den Arbeitern der Produktion die gleichen Wohnmobile in einer Kleinserie gebaut, also fast zeitgleich zum ersten Modell.

 

11.5.16 23:26, kommentieren