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WG: Ersatzteile für Motor

Erinnert ihr euch noch an den kurzen Dienstweg, auf dem ich versuchte einem Kunden zu helfen ein Ersatzteil für seinen Herd zu bekommen? Ich stecke hier gerade in einem Verteiler einer Geschichte, die beweißt das die Ersatzteilbeschaffung bei Justa-Company wohl doch einer gewissen Struktur unterliegt, auch wenn man diese Struktur erst nach mehreren Fällen erkennen kann: WG: Ersatzteile für Motor Von: Projektmanager Gesendet: Mittwoch, 29. Mai 2013 12:19 An: Einkauf Hi, nach Rücksprache mit dem Kunden sind Teile am Produkt 0815123 defekt. Diese Teile sind Gewährleistung des Herstellers. Bitte bestelle beim Hersteller folgende Teile: 1 Stck Thermosensor am Motor 1 Stck Kühlwasserbehälter vom Motor Lieferung direkt an den Kunden. Von: Einkauf Gesendet: Mittwoch, 29. Mai 2013 14:01 An: Projektmanager Hallo, bitte bei Ersatzteilen/Gewährleistung von Produkten, die schon draußen sind immer an den Kundenservice wenden. Die können dann mit einem Auftrag auf mich zukommen. Von: Kundenservice Gesendet: Dienstag, 4. Juni 2013 11:01 An: Einkauf; Projektmanager ..nicht immer, wenn das Teile der Motoreinheit sind können die doch direkt beim Motorenlieferant reklamiert werden, oder. Läuft doch bei den anderen Motoren auch so. Diese Artikel sind bei Justa - Company nicht angelegt. Wie soll es weiter gehen? Von: Einkauf Gesendet: Dienstag, 4. Juni 2013 11:23 An: Kundenservice; Projektmanager …dann sollten Kostenartikel im Auftrag geschrieben werden. Wir in der Dispo können sonst nichts bestellen und auch bei Motoren haben wir hier noch nichts direkt gemacht ohne Aufträge. Mittwoch, 12.6.13 Leider weiß ich nicht, ob der Kunde inzwischen seine Ersatzteile bekommen hat, oder ob sich der Fall immernoch im Streit um die Zuständigkeit dreht. Der Mailverkehr ist leider nach der dritten Mail abgerissen. Ich nehme an das der Verteiler ohne mich weiter läuft...

4.6.13 19:14, kommentieren

Tisch

Da wir gerade in einem der Projekte zu einem Teilergebnis gekommen sind, nutze ich die Gelegenheit etwas darüber zu berichten: Ich nehme an hier lesen auch einige Techniker und Ingenieure mit, daher nun mal etwas für euch: Stellt euch vor wir wollen einen Tisch bauen. Wieviel Zeit würdet ihr für so ein Projekt veranschlagen? Sind dreieinhalb Monate zu hoch gegriffen? Oder fangen wir lieber mal damit an: Was wollen wir denn überhaupt für einen Tisch, was muß er können? Justa Company ist ja eine ganz schön abgefahrene Firma, daher wollen wir natürlich auch einen abgefahrenen Tisch: In erster Linie muß er natürlich mal die Aufgaben eines Tisches erfüllen, also Geschirr tragen können, und evtl mal das ein oder andere Glas Wein oder Bier. Er sollte ausziehbar sein, oder ausklappbar. Er sollte, da es sich um einen Outdoortisch handelt, Getränkehalter haben - hat man ja inszwischen auch an jedem billigen Campingstuhl. Er soll beleuchtet sein, und das beste Feature, er soll einen Fernseher eingebaut haben. Als Goodie gibt es sogar schon einen Designvorschlag, damit man sich grob an etwas halten kann - fehlt also nur noch die entgültige Umsetzung. Gefordert wird jetzt ein Mockup, damit man sich das, was da auf dem Papier zu sehen ist besser vorstellen kann. Man baut also ein erstes Mockup, bei dem man auch gleich mal versucht das vorgegebene Design zu kippen. Sieht aber im Grund auch ganz gut aus, nach den ersten Besprechungen wird aber klar das da noch was fehlt. Man kann das Bild des Fernsehers nicht sehen wenn man seitlich drauf schaut. Das weiß jeder der sich mit den heutigen Flachbildschirmen beschäftigt. Da muß eine Lösung her. Denn der geforderte Tisch ist mit allen seinen Features sehr schwer, einmal aufgestellt ist es einfacher den Fernseher zu drehen statt den Tisch. Es soll also ein Drehmechanismus her, wobei in den darauffolgenden Besprechungen nicht entschieden werden kann, ob sich nun der Fernseher unter der Tischplatte dreht, oder ob sich der ganze vordere Teil des Tisches dreht. Daher baut man einfach mal Mockup Nummer 2 und 3, beide Varianten, dann kann man sich immernoch entscheiden. Gleichzeitig wird das Augenmerk auf die tehcnnische Lösung gerichtet, wie denn das mit der Vergrößerung der Tischfläche durch Ausklappen genauer aussehen soll. Da gibt es ja so viele schöne Möglichkeiten, und bei zwei Tischen hat man auch gleich zwei verschiedene Möglichkeiten die man testen kann. Die Tage gehen ins Land, und ein paar Wochen später stehen die zwei Varianten zur Auswahl zur Verfügung. Eine der ersten Fragen: Wo ist denn der erste Tisch zum Vergleich? Äh, den haben wir in Baunummer 2 umgebaut, nachdem Baunummer 1 nicht gemocht wurde. Inzwischen wächst der Verteiler der Mails, die sich um diesen Tisch und das Konzept drehen. Viele Leute zerbrechen sich den Kopf, was man wie machen könnte. Von der Entwicklung über das Design, den Produktmanager, den Projektleiter, den Prozessingenieur, den Berater des Produktmanagers, den Produktionsleiter, den Geschäftsleiter, den Konstrukteur bis hin zum Elektriker und dem Abteilungsleiter der das Ding später bauen muß - alle Diskutieren in regelmäßigen Sitzungen real oder online über die beiden Varianten und die Möglichkeiten wie man das mit der Ausziehbarkeit machen könnte. Irgendwann kommt dann einer auf die Idee das man das, was man sehen möchte, und was das Design vorgibt, gar nicht an Baunummer 2 oder 3 sehen kann, und das es eine viel einfachere Variante gibt den Fernseher zu schwenken. Ein Fernseharm ist die Lösung, die auch komplizierte bewegliche Teile am Tisch überflüssig macht und das Aussehen zum erwünschten Design zurückbringt. Baunummer 4 des Mockups wird gebaut. Endlich sind sich auch alle einig, der Konstrukteur weiß nun was er zeichnen soll, die Entwicklung was sie bauen soll, alle sind glücklich..... - bis..... der entgültige Tisch aus dem entgültigen Material da steht. Der Schritt vom Mockup zum Prototypen ist geschafft. Dummerweise hat einer mitgerechnet - nicht die Zeit die bisher an dem Tisch verballert wurde, nein, die Kosten für das Modell das da jetzt steht. Fazit: zu teuer. Die Kosten müssen runter, so einen teuren Tisch bezahlt kein Kunde. Was nun? Als erstes muß die Schwenkfunktion des Fernsehers weichen. Und die super verspielte Ausklappmöglichkeit muß einer billigeren Platz machen. Da für ein neues Mockup die Zeit nicht reicht, schraubt man das bestehende Modell des Prototypen 1 nun um. Weitere Besprechungen ergeben Lösungen, aber auch Streitereien. Ende vom Lied ist, das sich der Projektleiter und der Konstrukteur nicht mehr mögen und das man jetzt erstmal 5 Tische vom abgespeckten Prototypen baut, um dann auf ein neues Konzept umzusteigen. Für ein weiteres Mockup reicht die Zeit nicht. Der Leser denkt jetzt vielleicht das der Tisch nach so vielen Mockups jetzt recht schnell fertig sein müßte....falsch gedacht. Jetzt treffen wir auf ein alt bekanntes Problem - "in 3D hats gepaßt". Genau, in der Matrix ist alles schön und alles paßt - frei nach dem Motto "Es gibt keinen Löffel". In der realen Welt paßt aber kein Teil zum anderen. Was in der Matrix nur Striche sind, sind hier Materialien mit unterschiedlichen Stärken, die jetzt mit ihren B-Flächen nicht aneinander oder ineinander passen. In der Matrix scheinen auch extrem kurze Schrauben auf Bäumen zu wachsen. Schrauben die man bei Justa Company in keinem Regal finden kann, da sie nicht im Sortiment sind. Auf die Frage wo man solche Schrauben bekommt, gibt es die Antwort das die Schlosserei vielleicht die langen Schrauben absägen kann. Klar, hallo Herr Schlosser, bitte mal 500 Schrauben absägen, wir wollen die nächsten 12 Monate Tische produzieren. Nach langem Suchen findet man dann in einem Regal doch in der Länge passende Schrauben, nur das es halt keine Senkkopf sind, sondern Sechskant-Schraubenköpfe. Macht nix, nehmen wir, die Produktion wartet auf den Tisch, die Präsentation wurde mal locker flockig um 3 Tage vorgezogen, natürlich ohne der Entwicklung bescheid zu geben - erfährt man nebenbei hintenrum. Also, Schrauben rein, schnell schnell - äh das Tischgestell paßt nicht zur Tischplatte vom Zulieferer. Genauer gesagt die Bohrungen im Gestell sind wo anders als die Bohrungen in der Platte. In der Konstruktion lohnt es sich nicht nachzufragen woher das kommen könnte und ob man das ändern kann - in der Matrix gibt es immernoch keinen Löffel. Lustigerweise erfährt man nebenbei das der Konstrukteur gewechselt hat. Der neue soll sich um das neue Konzept und die Änderungen kümmern - bei näherem Nachfragen weiß der aber nur von einer statt von sechs Änderungen. Soll man ihn jetzt dumm sterben lassen oder ihm sagen was sich noch alles ändern soll? Wer badet es aus zum Schluß? Klar, die Menschen, die in der Realität leben, also, dem neuen Mann in der Matrix Informationen geben... Der Tisch wird langsam dem Bild vom Designentwurf immer ähnlicher, inzwischen ruft auch schon die Produkton, die Projektleitung, der Vertrieb und das Qualitätsmanagement im Minutentakt an, um zu erfahren wann der Tisch präsentiert werden kann. Als ich, nachdem dann alles vorbei war, meine Mails las, konnte ich alleine im Posteingang 4 Mails mit dieser Frage lesen. Gut das ich am Tisch gearbeitet hatte, anstatt vorm PC zu sitzen.... Also gut, die nicht passenden Befefestigungslöcher wurden aufgebohrt und mittels der Unterstützung von Kleber wurden Platte und Gestell verbunden. Wir stehen kurz vor der Lieferung zur Präsentation - da kommt einer der Konstrukteure und fängt an den Tisch wieder zu zerlegen. Die Beschläge für die Sicherung des Klappmechanismusses ist nicht geliefert worden, da muß jetzt nochmal geschweißt werden und wir sollen das Teil vom Mockup verwenden. Super, in einem Material das so hart ist das jede Schraube abbricht. Wir liefern den Tisch zur Präsentation - das Teil das der Konstrukteur gerade abbaut muß halt später ran. Der Elektriker muß immerhin noch die Lampe anschließen und den Fernseher einbauen. Das die Blende für den Fernseher falsch war, weil der Konstrukteur absichtlich die falsche hat programmieren lassen, weil der Projektleiter bei ihm nichts schriftlich bestellt und uns dadurch auch noch unnötigerweise Zeit verloren ging, muß man ja überflüssigerweise nicht auch noch erwähnen. Letztlich stand dann der Tisch für die Präsentation bereit, wenn auch ohne die Sicherung für die Tischplatte. Die Kunden waren positiv überrascht, der Projektleiter zufrieden - das ist ja das wichtigste. Für die Entwicklung ist ein Teilerfolg geschafft, jetzt machen wir mit den Änderungen weiter. Vielleicht fällt dann zwischendurch auch irgendjemanden ein wie das Konzept genau aussehen soll, und was wir genau wollen bei der Funktion unseres Tisches.

12.6.13 19:18, kommentieren